5 Weitwinkelzoom für Nikon Vollformat

Eigentlich bin ich ein Fan von Festbrennweiten. Dennoch stand ich vor kurzem vor der Entscheidung „Welches Weitwinkelzoom-Objektiv kann ich für meine Nikon kaufen?“

Zur Ausgangssituation: Ich bin im kommerziellen Bereich zumeist als Hochzeitsfotograf unterwegs. Den Großteil meiner Arbeit erledige ich, wie oben erwähnt mit Festbrennweiten, vornehmlich mit 35mm, 50mm und 85mm. In meiner Fototasche befindet sich auch immer ein 24-70 f2.8, aber ich habe oft die Situation, z.B. bei Gruppenbildern oder in Innenräumen (Standesamt oder Kapelle), dass ich gern etwas mehr Weitwinkel als die 24mm dabei hätte.

Bis dato habe ich mir immer beim Händler meines Vertrauens ein Weitwinkel-Zoom geliehen. Die Fahrerei und auf Dauer auch die Kosten rechnen sich aber irgendwann nicht mehr. Also muss ein eigenes Weitwinkel-Zoom her. Los geht´s, hier sind meine Kanditaten. Am Ende schreibe ich euch natürlich noch wofür und warum ich mich entschieden habe.

Eins sei noch gesagt, ich habe ausschließlich nach Objektiven Ausschau gehalten, die Vollformat-tauglich sind. Es gibt aber auch eine Reihe von DX-Objektiven (so heißt das Cropformat bei Nikon) die sehr gute Leistung liefern, aber einfach nicht in mein Beuteschema fielen.

Nikon Nikkor AF-S 14-24mm f2.8

Der Klassiker. Mitglied der heiligen Dreifaltigkeit bei Nikon (14-24mm f2.8, 24-70mm f2.8 und 70-200mm f2.8). Das 14-24mm ist ein echter Brocken. Extrem robust gebaut, kann man im Notfall auch mal einen Nagel mit in die Wand schlagen. Ich hatte es mehrfach geliehen und stets gute Ergebnisse mit erzielt. 14mm am Vollformat ist natürlich eine Ansage. Weitwinkel-Himmel ich komme. Zur Offenblende von f2.8 muss man denke ich nicht viel sagen, mehr geht bei Zoom-Objektiven an Vollformat nicht.

Die Bildqualität ist hervorragend und es ist eine der beliebtesten Linsen bei Nikon, wie oben schon erwähnt, ein echter Klassiker.

Aber wie das mit Klassikern nun mal so ist, auch sie haben ihre Nachteile. Zunächst mal das Gewicht. Ziemlich genau 1kg wiegt der Klotz. Massig Glas also, das hat auch seinen Preis. Aktuell kostet die Linse 1.850€. Hat keinen Bildstabilisator und auch kein Gewinde für einen Filter. Für Landschaftsfotografen sicher interessant. Ein Filtersystem kann aber mit einer entsprechenden Halterung nachgerüstet werden. Der fehlende Bilstabilisator wäre für mich egal, bei Weitwinkel-Aufnahmen halte ich das ohnehin für extrem vernachlässigbar.

14-24

via nikon.de

Nikon Nikkor AF-S 16-35mm f4

F4? Ja, richtig gelesen ihr Canon-verwöhnten Leser. Von Nikon gibt es das 16-35mm tatsächlich nur mit einer konstanten Blende von f4. Die Blende wäre mir ehrlich gesagt fast egal, da ich bei Gruppenbildern auf Hochzeiten ohnehin abblenden muss, aber irgendwie ist es mir auch nur fast egal. In dunklen Kirchen zahlt die eine Blende mehr Licht doch aus. Im Zweifel heißt das, mit f4 muss ich auf ISO 3200 hoch während ich mit f2.8 noch bei ISO 1600 fotografieren kann.

Ansich ist es aber eine sehr schöne Linse. Ebenfalls extrem robust gebaut, dabei aber deutlich leichter (ca. 700g), inkl. optischem Bildstabilisator und mit Filtergewinde. Die Bildqualität ist hervorragend, bei 16mm gibt es eine leichte Tonnenverzeichnung, mit Objektivkorrektur in LR aber alles handlebar.

Dieses Schmuckstück wechselt derzeit für 1.150€ den Besitzer. Auch ein Vorteil gegenüber dem 14-24mm.

16-35

via nikon.de

Nikon Nikkor AF-S 18-35mm f3.5-4.5

Das 18-35mm habe ich selbst nie getestet, aber zahlreiche Berichte und Videos darüber gesehen. Es ist Nikons Leichtgewicht unter den Vollformat Weitwinkelzoom-Objektiven und wiegt lediglich 385g. Es ist auch deutlich kleiner, als die beiden oben genannten Alternativen, verzichtet aber auf einen Bildstabilisator.

Die Verarbeitung ist ordentlich, die Blende von f3.5-4.5 wäre wie weiter oben schon erwähnt im Grunde genommen ok, aber jetzt kommt der Knackpunkt an der ganzen Geschichte, die Bildqualität. Ich weiß nicht, nach allen Tests die ich gesehen oder gelesen habe, entspricht die Bildqualität dieses Weitwinkelzoom nicht meinen eigenen Qualitätsansprüchen. Ich ordne das Nikon AF-S 18-35mm also mal eher den Einsteigern zu, auch wenn es dafür schon recht teuer ist. Derzeit kostet es 760€.

18-35

via nikon.de

Sigma 12-24mm f4.5-5.6

12mm an Vollformat? Das nenne ich nun wirklich mal Weitwinkelzoom. Auch wenn ich eher auf die „Originalobjektive“ von Nikon stehe, schaue ich mich natürlich auch bei den Drittanbietern um und das Sigma 12-24mm ist eine absolut interessante Alternative für alle Landschaftsfotografen.

Die Schärfe ist gut, der Autofokus ist schnell, der Weitwinkel enorm. Gewicht ist mit 670g im Gegensatz zu den anderen kaum der Rede wert und der Preis ist mit aktuell knapp 700€ in der Nikon Variante auch akzeptabel.

Was genau stört mich also an dieser eigentlich doch sehr feinen Alternative von Sigma? Genau, die Blende von f5.6 im oberen Zoombereich. Von f2.8 bis f5.6 „verliere“ ich hier also bei 24mm schon genau 2 volle Blenden. Würde ich nur draußen fotografieren wäre es vielleicht das Sigma geworden. So fällt es bei mir allerdings durch. Für alle Landschaftsfotografen, denen die Blende egal ist, aber dennoch eine tolle Linse. In den Ecken ab und zu nicht ganz scharf, aber preislich sehr attraktiv. Solltet ihr also einen anderen Einsatzzweck für eure Weitwinkelzoom als ich haben, wäre diese Linse von Sigma vielleicht eine Überlegung wert.

csm_Produktabbildung_12-24mm_F45-56_DG_HSM_II_7c67df6b23

via sigma-foto.de

Tamron 15-30mm f2.8

Tamron. Vor einigen Jahren haben Fotografen die Augen verdreht und hätten sich lieber in einen Käfig voller Ameisen sperren lassen als jemals ein Tamron an die Kamera zu schrauben. Da gibt es heute sicher auch noch genug Kollegen, die das so sehen. Allerdings hat Tamron gerade bei den Zooms in den letzten Jahren bewiesen, dass extrem gut nicht immer teuer sein muss. Gerade das 24-70mm f2.8 und das 70-200mm f2.8 sind deutlich besser geraten als die Sigma Pendants und bestechen durch gute Verarbeitung und einem tollen Bildstabilisator. So ganz kamen sie an die Konkurrenten von Nikon oder Canon aber nicht heran.

Das Tamron 15-30mm f2.8 schickt sich aber an bei den Weitwinkelzoom im Nikon Universum den Thron zu erobern.

Die Verarbeitungsqualität ist top. Der Bildstabilisator ist verdammt gut, wenn auch bei Weitwinkelzoom nicht so wichtig. Konstante Blende von f2.8 und jetzt kommt´s: die beste Bildqualität der hier vorgestellten Objektive. Es schnupft das Nikon 14-24mm sozusagen einfach weg. Die Schärfe ist extrem gut, kaum Verzerrung, eine durchweg gelungene Linse von Tamron.

Das Gewicht ist heftig, 1,1kg schleppt man mit sich rum und der Preis von etwa 1.000€ richtet sich auch eher an die ambitionierten Fotografen.

a012-hochkant

via tamron.eu

Für was habe ich mich nun entschieden?

Der Spannungsbogen bei der Auflistung der Objektive hat es sicher schon verraten. Es ist tatsächlich das Tamron 15-30mm f2.8 geworden.

Der Bilstabilisator hat für mich in diesem Fall keine Rolle gespielt. Es war einfach das mehr an Bildqualität im Vergleich zu den beiden erstgenannten Nikons und das zu einem günstigeren Preis und die konstante Blende von f2.8. Klar, das Gewicht ist heftig. Ich schleppe aber bei meinen Aufträgen nie das gesamte Equipment mit mir rum.

 

Findet ihr die Entscheidung nachvollziehbar? Wie hättet ihr euch entschieden? Schreibt´s mir in die Kommentare!

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] der langen Portrait-Brennweite zu ein paar Weitwinkelobjektiven. Vor einiger Zeit habe ich mal eine Liste mit Weitwinkel-Zoom-Objektiven für Nikon zusammengeschrieben, vielleicht interessiert euch das […]

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Kommentar verfassen