Datensicherung für Fotografen

Als Fotograf, in meinem speziellen Fall als Hochzeitsfotograf, habe ich mit großen Datenmengen zu tun. Im Laufe der Zeit habe ich eine sehr effektive Methode zur Datensicherung entwickelt, die ich euch in diesem Artikel etwas genauer vorstellen möchte.

Ich kann es nur jedem raten: Spätestens wenn ihr kommerzielle Aufträge annehmt, kümmert euch bitte entsprechend um die Absicherung eurer Arbeiten. Nichts wäre mir peinlicher als dass ich einem Brautpaar sagen muss „Sorry, aber die Fotos von eurer Hochzeit sind leider futsch, weil mein PC abgeraucht ist und ich die Daten nicht gesichert hatte“. Unangenehm, ihr versteht worauf ich hinauswill. Datensicherung gehört zum professionellen Fotografen einfach dazu.

Was kommt bei mir zum Einsatz?

Meine aktuellen Daten (Lightroom-Katalog, RAWs, fertige Bilder, Videos, PSD-Dateien, etc.) befinden sich auf einer 500GB SSD-Festplatte im PC bei mir daheim. Diese Daten sichere ich regelmäßig, sprich täglich, auf eine externe Festplatte.

Diese externe Festplatte ist gleichzeitig mein Archiv für ältere Daten. Immer wenn meine SSD droht voll zu laufen, kopiere ich die ältesten Shootings und Videos auf die externe Festplatte um Platz zu schaffen. Kleiner Tipp: Wenn ihr die älteren Shootings im Lightroomkatalog mit allen Bewertungen etc. behalten möchtet, kopiert die Daten über Lightroom und nicht über den Explorer/Finder.

Wenn ich von externer Festplatte spreche, spreche ich in meinem Fall von 2 Festplatten in einem Gehäuse. Die beiden Festplatten spiegeln sich, laufen also im RAID-1. Fällt eine Festplatte aus, habe ich die Daten noch immer auf der zweiten.

Jetzt fragt ihr euch zurecht, wo ist denn da aber die Datensicherung? Ist das nicht nur ein dummes Backup? Wenn bei mir eingebrochen wird oder die Wohnung abfackelt sind ja dennoch alle Daten weg. Richtig! Darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht. Hierfür benutze ich den Anbieter Backblaze. Blackblaze ist ein Cloud-Storage-Dienst und meine externe Festplatte spiegel ich in die Cloud.

Von dort aus, kann ich meine Daten immer wieder herstellen und Blackblaze sorgt für zusätzliche Backups. Allerdings muss euch bewusst sein, so ein Upload von in meinem Fall 1,5TB Daten dauert wochen- oder gar monatelang, je nachdem wie potent eure Internetleitung ist.

Ist das Backup einmal in der Cloud werden natürlich nur noch Dateien, die verändert wurden hochgeladen. Das funktioniert dann auch ganz wunderbar und dauert auch nicht zu lang.

Backblaze kann kostenlos für 14 Tage getestet werden und kostet anschließend 5$ pro Monat. Absolut erschwinglich und ohne eine Speicherplatzbegrenzung.

Es gibt noch zahlreiche weitere Cloud-Storage-Anbieter, aber von den gut bewerteten Plattformen war Backblaze der einzige Dienst, bei dem man angeschlossene USB Laufwerke sichern kann. Bei meinem Setup wie oben beschrieben ein absolutes Muss.

Warum kein NAS?

Ich versuche die verwendete Hardware möglichst einfach zu halten. Lange habe ich hin und her überlegt, ob ich ein NAS brauche oder ob ich das Thema auch anders effektiv regeln kann. Kurzum, nein, ich habe mir kein NAS gekauft, sondern sichere auf eine externe Festplatte.

Der einzige Vorteil vom NAS für mich gegenüber meiner externen Festplatte wäre gewesen, dass ich quasi von überall auf die Daten zugreifen kann. Hab ich genau noch nie gebraucht. Ich habe wichtige Dinge, auf die ich wirklich immer zugreifen muss in einem Dropbox Ordner und bin somit bestens bedient.

Klar, tolle Spielereien wie RAID-5 Systeme etc. sind auch nur mit dem NAS machbar, aber ganz ehrlich, es soll auch irgendwo noch realistisch bleiben. Beim NAS, ich kenne es nur von Synology, gibt es auch die Möglichkeit ein zweites NAS System mit dem ersten online zu synchronisieren. Habt ihr z.B. ein NAS bei euch zu Hause und ein weiteres im Studio/Büro, könnt ihr diese beiden synchronisieren und habt überall die aktuellen Daten auch vor Ort verfügbar.

Alles in allem ist die Lösung sicher etwas professioneller, ABER zweifelsohne viel viel teurer und vor allem brauche ich mehr Zeit mich da reinzufuchsen. Meine Art der Datensicherung ist in wenigen Minuten betriebsbereit.

Wie funktioniert die Datensicherung im Detail?

Ich nutze für das Backup von meinen aktuellen Daten (wir erinnern uns, 500GB SSD intern) auf die externe Festplatte ein kleines Tool, Freefilesync. Dieses ist für Windows und Mac verfügbar und aus meinem Workflow nicht mehr wegzudenken.

Mit diesem Tool habe ich also meine Ordner ausgewählt, die ich kopieren bzw. abgleichen möchte, den Zielordner (die externe Festplatte) gewählt und anschließend per Aufgabenplanung in Windows ein tägliches Backup eingerichtet. FreeFileSync kann auch in Realtime Backups erstellen. Soooo dringend ist es aber auch nicht. 1 x am Tag reicht mir locker. Sollte etwas in dieser Zeit passieren habe ich die Bilder immernoch auf den SD-Karten.

Täglich um 19 Uhr (diesen Zeitpunkt hinterfrage ich gerade beim Schreiben dieses Artikels selbst) werden also meine aktuellen Ordner auf der SSD mit den Sicherungsdateien auf der externen Festplatte abgeglichen und neue Dateien von der SSD auf die externe Festplatte überspielt. Das dauert in der Praxis meist nur wenige Sekunden. Ich habe FreeFileSync auch so eingerichtet, dass kein nerviges Fenster oder so aufpoppt, lediglich ein kleines Symbol in der Taskleiste verrät mir, dass in diesem Moment ein Backup läuft. Ist mein PC zu diesen Zeitpunkt nicht an, dann startet das Backup zum nächstmöglichen Zeitpunkt, sprich das nächste Mal wenn ich den PC anschalte.

Der Dienst von Backblaze läuft im Hintergrund und wird dann automatisch die Veränderungen auf der externen Festplatte feststellen und die neuen oder geänderten Dateien hochladen.

Ich werde euch in den nächsten Tagen das Tool FreeFileSync noch etwas genauer vorstellen, denn ich habe dafür noch ein anderes, für mich sehr nützliches Anwendungsgebiet gefunden.

Gibt es eine Versionshistorie?

Ganz klares jein. Da ich nicht das Windows-interne Backuptool (ähnlich wie TimeMachine für Mac) nutze und auch gar nicht nutzen will habe ich keine Versionshistorie. Lösche ich eine Datei auf im Quellordner (SSD) wird diese auch auf meiner externen Festplatte gelöscht (zumindest um 19 Uhr, wenn das Backup läuft).

Warum dann jein? Backblaze hat eine 30 Tage Dateihistorie. Sollte ich also innerhalb der 30 Tage eine Datei aus Versehen gelöscht haben und es merken, kann ich diese Datei von Backblaze wieder herstellen.

Hat deine Vorgehensweise für die Datensicherung irgendwelche Lücken?

Nicht direkt eine Lücke, aber Backblaze ist ein US-Unternehmen. Wer damit Probleme hat, muss sich nach einem deutschen Anbieter umschauen. Mich persönlich stört das nicht. Die Verbindung ist verschlüsselt und wenn die NSA gern in meinen Fotos rumschnüffeln möchte, kann sie das sicher auch auf einem deutschen Server tun.

Ansich ist das System also sicher. Da ich aber ein tägliches Backup um 19 Uhr mache und dieses nicht in Realtime, kann natürlich der Fall eintreten, dass mir mein PC um 18 Uhr geklaut wird und dann alles was ich zwischen 19 Uhr am Vortag und 18 Uhr am heutigen Tage auf der SSD gespeichert habe futsch ist.

Zugegeben, dieser Fall ist schon ziemlich konstruiert und ich behalte auf jeden Fall auch noch Sicherungen auf den SD-Karten. Diese formatiere ich immer erst vor dem nächsten Auftrag.

Und wenn ich nichts in die Cloud laden will?

Dann tu es nicht. Die sichere Alternative zur Cloud wäre dann eine räumliche Trennung der Backup- und Sicherungsdaten. Du kannst z.B. eine weitere externe Festplatte kaufen. Dort die Daten regelmäßig sichern und die zweite externe Festplatte bei Freunden, Verwandten oder in einem Bankschließfach deponieren.

Auch die oben angesprochene Möglichkeit mit 2 NAS System wäre grundsätzlich sicher.

Allerdings kenne ich mich selbst ziemlich genau. Ich würde die Sicherung auf eine zweite Festplatte wahrscheinlich nur alle paar Monate (wenn überhaupt) machen und wenn dann was geklaut wird oder abraucht, sind einfach viel mehr Daten futsch.

 

Ich hoffe die Erklärung zu meiner Art der Datensicherung hat euch gefallen. Wie handhabt ihr das denn? Ich würde mich freuen, eure Backupstrategien in den Kommentaren zu lesen.

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