Ein kleiner Einstieg in die Tabletop-Fotografie

Ich habe mit Speedlites schon immer wieder mal in meiner People-Fotografie gearbeitet, vor allem wenn ich Bands fotografiert habe. Trotzdem bleibt das Fotografieren mit Blitz für mich immer noch irgendwie ein ewiges Trial & Error. Eigentlich hab ich die meiste Zeit nicht wirklich eine Ahnung, was ich da gerade tue. Trotzdem habe ich über die Zeit hinweg gelernt, Blitze zu meinem Vorteil zu nutzen um mein Motiv etwas herausstechen zu lassen, der Szenen eine plastischeren Look zu geben oder einfach mal auf Hochzeiten mein eigenes Gegenlicht zu zaubern.

In letzter Zeit folge ich immer mehr Food-Fotografen und das sind wirklich die Fotografen, die’s raus haben. Selten sonst sehe ich so perfekte Inszenierungen von Licht und Schatten wie in der Tabletop Food-Fotografie. Das wollte ich jetzt selbst mal ausprobieren, einfach um etwas neues zu lernen. Wenn man sich mal etwas mit dem Thema beschäftigt, findet man recht schnell und einfach viele Behind-the-scenes Bilder von Lichtsetups über Google oder Facebook und es ist faszinierend, wie viele Herangehensweisen es dafür gibt.

Okay, sollen wir’s selbst mal probieren? Habt ihr Euer 5.000€ Pro-Photo Equipment bereit liegen? Super! Für das, was ich Euch jetzt zeige könnt Ihr das ganze Zeug erstmal verkaufen, Euch die Ausrüstung holen, die ich benutzt habe und vom restlichen Geld einen sehr (sehr) schönen Urlaub machen.

Ein Licht

Wenn man mal davon ausgeht, dass Ihr bereits eine Kamera und ein Objektiv besitzt müsst Ihr gerade mal noch etwas mehr als 150€ investieren, um mit der Tabletop-Fotografie anzufangen (jedenfalls wenn Ihr meine Licht-Setups nachmachen wollt). Dann habt ihr aber wirklich alles, was ihr braucht um etwas zu experimentieren und noch andere Dinge zu fotografieren. Ich werde in diesem Artikel Amazon Affiliate-Links zum benutzten Equipment posten. Wenn Ihr etwas über diese Links kauft, zahlt Ihr keinen Cent mehr, ich bekomme aber ein bisschen was als Provision (und das hilft mir sehr).

Schauen wir uns mal dieses Foto hier an:

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Nachdem ich mich ein bisschen mit der Thematik auseinander gesetzt hatte, zeichnete sich deutlich ab, dass die Bilder, die mir am besten gefallen immer durch den Einsatz von Gegenlicht entstanden sind (und das benutze ich sowieso am liebsten). Ich habe es noch nicht wirklich geschafft, meinem Bild so viel Tiefe zu geben wie ich es gerne wollte, konnte aber trotzdem recht schnell Ergebnisse wie auf dem eben gezeigten Bild erzielen. Die Große Frage ist also: Wie sah mein Licht-Setup aus?

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Auf dem Diagramm sieht man es sehr gut: Ich habe nur einen Blitz benutzt und Diesen auch noch als Gegenlicht. “Gegenlicht” heißt nicht automatisch, dass das Licht direkt gegenüber der Kamera platziert ist und in das Objektiv leuchtet, es heißt ganz einfach nur, dass das Licht von hinter dem Motiv kommt und ein Rimlight (Lichtkanten) erzeugt. Die Kamera sieht vom Motiv hauptsächlich Schatten aber das kann etwas sehr gutes sein, weil die vielen verschiedenen Abstufungen der Schatten eine schöne Tiefe ins Bild bringen. Noch tiefer wird das ganze sogar durch das angesprochene Rimlight! Der genutzte Blitz ist ein Yongnuo YN-560. Es handelt sich um einen komplett manuellen Blitz, der einen eingebauten Empfänger für das Signal des Yongnuo RF603 hat, den ich auf dem Blitzschuh meiner Kamera betreibe. In dieser Kombination kann ich den Blitz kabellos und entfesselt betreiben und brauche lediglich den RF-603 Sender. Als Lichtformer benutzte ich eine wirklich billige Schirmsoftbox. Ich mag die Softbox vor allem deswegen, weil man sie tatsächlich wie einen Schirm zusammenfalten kann (ohne irgend etwas auseinander bauen zu müssen). Zusammen mit meinem kleinen Lichstativ ist das ein super Travel-Kit, das man auch problemlos in einem größeren Koffer (z.B. für Flugzeuge) oder im öffentlichen Nahverkehr transportieren kann.

Wenn man also auf das Bild oben schaut, dann war der Blitz mit der Softbox links hinter der Kaffeekanne und etwas mehr in die Szene hinein gedreht als zur Kamera. Da ich nur diesen einen Blitz benutzt habe, wurde der komplette Vordergrund etwas zu dunkel und ist im Schatten verschwunden. Deshalb habe ich auf der rechten Seite einen Reflektor auf einem Stuhl genutzt. Dadurch wurden die Schatten wieder etwas aufgefüllt. Naja… jedenfalls fast. So ein Reflektor kann schon recht schnell an Intensität verlieren und der kleine Topf mit den Kaffeebohnen war immer noch etwas zu dunkel. Ich habe mich ein bisschen in meiner Wohnung umgesehen und irgendwann den Schminkspiegel meiner Freundin entdeckt. Den habe ich einfach auf der rechten Seite, ganz knapp außerhalb des Bildausschnittes platziert. Das gute an dem Spiegel ist, dass ich ihn nach oben und unten neigen kann. Nachdem ich ein bisschen herumprobiert habe, konnte ich einen schönen Lichtreflex erzeugen, den man auf der rechten Seite des Topfes sieht.

Und das war’s auch schon! Mehr ist in dem Bild oben nicht passiert. Ein Blitz, ein Reflektor und ein Spiegel. Wenn man Gegenlicht nutzt, dann werden Falten wie die in der Tischdecke besonders herausgehoben. Auch das ist normalerweise eher nützlich als störend, man muss einfach nur gut darauf achten. Rückblickend stört mich etwas die große Falte im Hintergrund, die man direkt über dem Marmeladen-Glass sieht. Wenn ich das Bild nochmal machen würde, wäre diese Falte nicht mehr da.

Hier sind noch ein paar Bilder, die mit genau dem gleichen Lichtsetup entstanden sind:

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Nicht alle Bilder sind so rausgekomen wie ich es wollte. Manchmal hätte ich mir ein bisschen mehr Tiefe und Schatten gewünscht aber das Setup hat mich auf jeden Fall schonmal in eine gute Richtung gebracht und mit genug Übung und Experimentierfreude wird das noch besser.

Es war eine wirklich gute Entscheidung, Kaffeebohnen für die Bilder zu nutzen. Die dunkle Farbe und raue Struktur kommen durch das Gegenlicht sehr kontrastreich und plastisch heraus.

Zwei Lichter

Aber es gibt noch mehr! Ich hab etwas weiter ausprobiert, mein Lichtequipment verdoppelt und Bilder mit Blitzen von beiden Seiten gemacht. Was man also auf den nächsten Bildern sieht ist mein Licht-Setup, Yongnuo YN560 + Schirm-Softbox mal Zwei. Ein Blitz direkt von links, der andere direkt von rechts. Der Mittelpunkt der Softboxen wurden ziemlich genau mit dem Motiv ausgerichtet und nicht nach unten geneigt, damit ich eine schöne Definition in das Licht bekomme. Ich habe dieses Lichtsetup schon oft gesehen und wollte es selbst mal ausprobieren.

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Die Bilder sind ganz anders geworden, als ich es mir vorgestellt hatte. Im Endeffekt kam eine Lichtgeflutete Szene heraus, was ich aber sehr gerne mochte. Jeder Blitz hat natürlich auch Schatten erzeugt. Zusammen mit dem Blickwinkel direkt von oben ergab sich eine schön dreidimensionale Szene und vor allem die Tassen sind gut herausgekommen.

Wenn man sich das Herz aus Kaffeebohnen anschaut, sieht man nochmal was ich vorhin gesagt habe: Die Farbe und die Struktur der Bohnen lässt sich mit dem Blitzlicht wunderbar herausarbeiten.

Manchmal musste ich etwas tricksen, um das Licht definierter zu bekommen. Es gibt zwei Bilder mit Händen und einem Haufen von Kaffeebohnen. Beim ersten Versuch sah dieser Haufen etwas flach aus, also stapelte ich eine Seite davon höher als die andere. Wenn man von der Seite auf diesen Haufen geschaut hätte, hätte es wie eine kleine Rampe ausgesehen aber von oben merkt man es fast nicht mehr. Das Licht hat sich praktisch um diese Rampe herum geformt, sodass die Lichtrichtung etwas definierter wurde.

Und das War’s soweit. Mein erster wirklicher Versuch der Tabletop-Fotografie. Ich hab nicht wirklich alles so hinbekommen wie ich es wollte aber das tolle am herumprobieren ist, dass man wirklich immer etwas lernt und ich habe mit diesen zwei Lichtsetups einen ganzen Haufen neuer Dinge gelernt.

Ihr braucht Utensilien?

Für die Tabletop Fotografie ist es sehr vorteilhaft, wenn man ein paar charakteristische Utensilien hat. Damit steht und Fällt eine Szene. Man muss auf keinen fall viel Geld für irgendwelche Designer-Dinge ausgeben. Besucht einfach mal einen Flohmarkt in Eurer Nähe. Ihr werdet total viele tolle Sachen für wenige Euros finden. Dieser Jute-Sack, den man auf meinen Bildern hin- und wieder als Untergrund sieht ist z.B. ebenfalls vom Flohmarkt. Die graue Tischdecke gab’s als B-Ware in einem Depot und ich habe sie sogar hin und wieder als Hintergrund genutzt. Die kleinen Töpfe und Pfannen: Flohmarkt.

Sogar dieses Holzbrett / der Holztisch sind aus Bodenplatten zusammen gebaut. Ich habe in einem Bauhaus einfach Bodenplatten, die man für eine Terrasse verwenden kann gekauft, weil mir das Holz gefallen halt. Diese habe ich dann auseinander genommen und neu zusammengesetzt, damit ich einen Holzuntergrund für Bilder habe. Das ganze hat mich 20€ gekostet und ich kann es als Schneidebrett oder Holztisch oder auch Holzboden nutzen.

Seid einfach ein bisschen kreativ! Man kann sehr leicht viel Geld für solche Dinge ausgeben aber ihr bekommt viel authentischere und einzigartigere Bilder, wenn ihr einfach benutzte Dinge kauft oder selbst etwas baut.

Noch besser wird es, wenn Ihr Euch von jemandem helfen lasst, der einen guten Blick für Dekoration und solche Szenen hat. Ich hätte das alles selbst nicht so hinbekommen. Meine Freundin hat die Szenen komplett gestaltet und ich musste mich nur noch um das Licht kümmern. Sucht Euch einfach jemanden, der Euch hilft, dann könnt ihr Euch komplett auf die Fotografie konzentrieren. Zusammen macht es sowieso viel mehr Spaß!

Ihr seid dran!

Hat Euch meine Anleitung etwas gebracht? Habt ihr Tips für mich? Hab ich irgendwas total falsch gemacht oder übersehen? Zeigt ruhig auch Bilder, die Ihr mit diesen Licht-Setups gemacht hab. Ich fänd’s interessant zu sehen, was noch möglich ist. Ich freu mich auf Kommentare!

Equipment-Liste

Okay, nochmal: Das sind Amazon Affiliate-Links. Ihr zahlt keinen Cent mehr aber wenn Ihr etwas über diese Links kauft, bekomme ich eine kleine Provision. Damit unterstützt Ihr mich ungemein!

Yongnuo YN-560

Yongnuo RF603

Schirmsoftbox

Lichstativ

Reflektor

Schminkspiegel

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