Die Sache mit dem Objektiv (und warum eins davon oft reicht)

Auch wenn es um Objektive geht, wird das kein objektiver Beitrag. Objektive sind feine Spielzeuge. Das ist natürlich ein kritisches Wort – für viele ist es ja auch ein Arbeitswerkzeug. Sicherlich kann man aber in beiden Fällen sagen, dass Hobby- und Berufsfotografen gleichermaßen auf Objektive stehen und sich für diese Glas-Metall-Gebilde begeistern können.

Doch: Welche Objektive braucht man denn überhaupt? Das ist eine Frage, die sich sicherlich jeder Foto-Freund mindestens (wenn wir ehrlich sind: öfters) ein Mal stellt. Das wird hier nun aber keineswegs ein Beitrag zu einer genauen Kaufberatung. Eher ein allgemeiner Erfahrungsbericht mit Rückblick auf einige Jahre mit vielen, vielen Objektiven.

Festbrennweite oder Zoom / Bewegen oder Stehen?
Ich denke, dass ich hier auch ein wenig subjektiv schreiben darf und lege mich deshalb schnell und ohne große Umschweife fest und sage: FESTBRENNWEITE! Allein bei diesem Statement belasse ich es aber natürlich nicht. Allgemein ist für die meisten bekannt, dass Festbrennweiten in häufig vielen Fällen einfach schärfer sind. Die Abstände von Linsen, Sensor etc. sind (oder sollten) perfekt auf einander abgestimmt und gewährleisten (in den meisten Fällen) eine bessere Schärfe in der Abbildung. Zoom-Linsen sind eher kleine Hybriden, die so ziemlich mit allen Brennweiten (die das Objektiv abdeckt) einigermaßen gut klarkommen – aber auch hier gibt es Blendenbereiche, die schärfer sind.

Noch einen Tick wichtiger, als die wichtige Schärfe, ist das MUSS sich als Fotograf im Geschehen zu bewegen. Es gibt keine faule Ausrede, mit der man sich in der bequemen Ecke aufhalten kann um alles nur von dort abzulichten und um seinem Motiv auf keinen Fall zu nahe zu kommen. Mit der Bewegung des Fotografen werden auch die Bilder besser und vorallem abwechslungsreich. Probiert das gerne auch mal mit Zoom-Linsen aus! Geht auch, man verfällt aber oft und schnell wieder zurück in den Distanz-Modus.

Welche Brennweiten brauche ich? Sags doch endlich!
8-15mm, 15-30mm und 600mm. Diese Frage ist fast so unnötig, wie die Frage nach speziellen Kameraeinstellungen unter einem Bild (natürlich gibt es auch Ausnahmen für spezielle Situationen, die 1:1 reproduzierbar sind). Es kommt ganz stark darauf an, was du fotografieren willst UND mit was du dich wohl fühlst. Es gibt zwar Empfehlungen für Portraits, für Landschaften, Makro, Veranstaltungen, etc., allerdings sind das keine festgeschriebenen Regeln. Das bedeutet, dass eigentlich nichts über das Ausprobieren geht. Bestell oder leihe dir verschiedene Linsen, die in deinem Budget liegen und probiere sie ausgiebig aus (ohne sie kaputt zu machen – denk dran: zurückgeben! ;-)) Es bringt niemandem etwas, wenn du dich mit der perfekten Linse für deinen Bereich nicht wohl fühlst. Es muss einfach laufen und passen – dann hast du das richtige Objektiv gefunden.

Wie viele Objektive darf / muss ich haben?
Du darfst natürlich so viele Objektive besitzen wie du magst – ich bin da der letzte, der dir verbietet etwas zu kaufen. Lass dir allerdings gesagt sein, dass du nicht viele brauchen wirst. Ich gehe sogar soweit und sage, dass es gut möglich ist mit einem einzigen Objektiv die meisten fotografischen Aufgaben abzudecken und gut zu erledigen. Man muss hier allerdings immer ein wenig unterscheiden, ob es sich um berufliche Fotografie oder um Hobby / freie Arbeiten handelt. Oftmals gibt es Situationen bei Berufsfotografen, in denen sie nicht anders können, als mehrere Objektive einzupacken. Wenn sie beispielsweise Motive aufnehmen sollen, die sehr nah und klein sind und direkt danach etwas fotografieren sollen, dass weit weg und nicht erreichbar ist, kann es sehr herausfordernd werden wenn man nur eine Linse mit sich führt.

Gerade bei freien Projekten bin ich allerdings der festen Überzeugung, dass ein einziges Objektiv absolut ausreichend ist. Hier musst du vorher natürlich dein Objektiv gefunden haben. Schränke dich dann ganz bewusst ein und packe nur ein Objektiv in deine Taschen oder in deinen Rucksack. Vielleicht wirst du am Anfang öfter mal denken „Hätte ich jetzt nur Objektiv XY und YX mit dabei…“, aber das ist quark! 🙂 Du wirst schnell merken, dass du, durch deine bewusste Einschränkung, viel kreativer beim Fotografieren wirst und du dein Werkzeug (ja, ich meine das Objektiv) immer besser kennenlernst.

Ein anderer Aspekt, der bei dieser 1-Objektiv-Mentalität keinen unwesentlichen Punkt darstellt, ist das Gewicht, dass du zu schleppen hast. Es wird sich komisch anfühlen mit einer kleinen Tasche loszuziehen und seine zweiten und dritten Backup-Objektive nicht dabei zu haben. Aber ich denke, dass auch du es irgendwann einsehen wirst, dass man sich nicht kaputtschleppen muss. Ich schätze es mittlerweile so sehr einfach nur mit der Kamera und einem angeschraubten Objektiv loszuziehen. Man muss sich nicht immer wieder aufs Neue den Kopf über die Objektivwahl beim Shooting machen, man trägt ein angenehmes Gewicht mit sich herum und ist oftmals auch eher gewillt andere, längere Wege einzuschalgen, wenn sich noch eine weitere Locationsmöglichkeit auftut.

Hiermit verabschiede ich mich aus diesem Beitrag und wünsche Dir auf jeden Fall viel Spaß mit deinem Objektiv bei den nächsten Auslösungen! 🙂

2 Kommentare
  1. Jürgen Schnick
    Jürgen Schnick says:

    Danke für diesen Artikel! Endlich mal dieses altbekannte Thema auf den Punkt gebracht und ausgesprochen, wie es wirklich ist. Schluß mit GAS (gear acquisition syndrome). Danke dafür! 😉

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    • Marv
      Marv says:

      Hey Jürgen, vielen Dank für Dein Feedback. Irgendwie haben wir doch alle ein bissl GAS 🙂 Mancheiner vergisst nur, wie viel man mit relativ wenig Gear schon erreichen kann.

      Antworten

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